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Architektur Harald Baumann Stuttgart u3ba

3. Preis für den Wettbewerb Haus Film und Medien Stuttgart









Leitidee 

„Die Geschichte des Films ist immer auch eine Geschichte des Lichts“. Richard Blank

„Medien sind etwas Vermittelndes im ganz allgemeinen Sinn“.

Auf diesen beiden Definitionen beruht die Leitidee und die Grundkonzeption des Entwurfs für das HFM.

Die Fassadenfläche wird dabei als Medium an sich verstanden. Eine Symbiose aus analoger und digitaler Bewegung und Veränderbarkeit gibt die Inhalte des HFM Preis. Auf der Grundfläche eines Prismas, werden in Gruppen drehbare, geschosshohe Fassadenelemente beliebig zum Vorhang, zur LED- Plakatwand, zur Projektionsflächen, bzw. zum Sonnen- und Blendschutz, zur Verdunklung sowie zu Pflanz- und Rankkörper. Zur Innenstadt und zum Leonhardsplatz werden auf den opaken Seiten LED-Screens integriert die schnell und flexibel bespielt werden können. Sie werden so gleichzeitig Vorhang und Leinwand. Sie macht den Besucher zum neugierigen Schaulustigen der durch den Vorhang spickt und zum Schauspieler vor der Öffentlichkeit gleichermaßen. Grenzen zwischen Beschauer und Beschautem verwischen. Sie grenzt tagsüber Licht aus wo nötig und lässt nachts von innen nach außen strahlen. Ein Lichtspielhaus im eigentlichen Sinn. Die Prismenfassade lässt Einblicke hinter die Kulissen auf das ganze (Farb-) Spektrum der Film- und Medienproduktion zu, also in die Workshops, in die Werkstätten und Studios.

Multifunktionale veränderbare Nutzungen im Inneren sorgen für immer neue „Bühnenbilder“ und durch die Bewegung im Gebäude für veränderte Ausblicke mit spannungsvollen Kulissen im Stadtraum. Ebenso wie im Film entsteht bei dem Gebäude ein Ineinander von Raumbild und Flächenbild das durch die Bewegung des Besuchers zum eigenen „Film“ zusammengeschnitten wird.

Dem Element der drehbaren und veränderlichen Prismen kommt als szenographisches Objekt im Innenraum eine zentrale Rolle zu. Es wird als Medienstele schon im weiteren Umfeld positioniert um auf Inhalte hinzuweisen und Menschen zum Besuch des HFM zu animieren. Es zeichnet sich durch drei unterschiedliche Seiten des gleichschenkligen Dreiecks aus; einer veränderlichen Seite als Sinnbild des Bewegung im Film und in den Medien , einer beständig bedruckte Seite als Sinnbild traditioneller Printmedien, und einer verspiegelten Oberfläche als Reflexion des Menschen selbst der in seinem Spiegelbild zum eigenen Darsteller wird. Diese Mediensäulen sollen integral vernetzt und variabel als Leitsystem und Ausstellungsguide mit Lautsprecher per App steuer- und bespielbar sein.

Das Haus für Film und Medien fokussiert sich dabei zwar auf die, digital per App auf Smartphones und Tablets abrufbaren, visuellen Medien, beschränkt sich aber nicht auf diese. Die gute Orientierbarkeit durch die spannungsvollen Raumgefüge werden mit Ton und Geräuschinstallationen unterstützt. Bewegungsräume wechseln sich mit ruhigen Rückzugsräume ohne Konsumzwang ab.

Das Gebäude wird in seiner Anordnung und äußerlichen Erscheinung selbst Medium, also der Mittler. Es bedient sich analoger Kontraste wie hell dunkel, eng -weit, niedrig - hoch, nah und fern, laut-leise und runtergebrochen auch auf den Kontrast des digitalen binären Systems, 0 und 1.

Das Gebäude wird vom Leonhardsplatz betreten. Die Wegeführung und Zugangssituation ist klar und eindeutig. Im Foyer beginnt der Ausstellungs- und Erschließungsraum mit Sitztreppe als Schaufassade zur Innenstadt. Über die extrovertierten Wartebereiche des großen Kinos 2 verlaufend, taucht er in das Innere des Gebäudes ein und breitet sich in introvertierten Raum des Multifunktions- und Ausstellungsebene aus, kreist in den Workshopgeschossen um das kleinere Kino 1, um dann auf dem Rooftopkino und Dachgastronomie mit Blick über die Stadt zu enden.

Städtebauliche und freiräumliche Qualitäten

Die städtebauliche Emanzipation des HFM entsteht durch das Herausdrehen des Baukörpers aus der Flucht des Mobility Hubs in die Flucht des Bohnenviertels entlang der Pfarrstraße. So öffnet sich der Straßenraum der Wagnerstraße leicht aber merklich zu Innenstadt. Gleichzeitig wird der Haupteingang zum Mobility Hub und die Treppe auf dessen Dachterrasse vom Leonhardsplatz freigestellt.

Durch das orthogonale Vis-à-vis der neuen Platzkanten, der beiden Kulturbauten des HFM und dem Gustav-Siegle-Haus, wird eine neue Platzfläche aufgespannt. Der Leonhardsplatz mit Leonhardskirche erhält so die Bedeutung der ihm als Bindeglied dreier Stadtviertel gebührt.

Durch die versetzten Volumen wird funktional wie städtebaulich auf die Umgebung reagiert. Das EG ist gegenüber dem Obergeschoss zurückversetzt und bietet Eingangs- und Gastroüberdachungen. Die 4 Obergeschosse sind gegenüber Ebene 1 und 2 zurückversetzt und nehmen so die Höhe der Bestandsbebauung des Bohnenviertels auf. Die entstehende Fläche dient als repräsentativer Balkon für Großveranstaltungen wie Festivals und Premieren. Es entsteht eine skulpturale Architektur, die sich aus dem Kontext zu einem Solitär mit hohem Identifikations- und Wiedererkennungswert entwickelt.